Predigt 1. Adventssonntag Lesejahr A 2025 (Jes)
30. November 2025 - Sankt Pius, Pöcking
Predigt
1. Schwerter zu Pflugscharen
- Schwerter zu Pflugscharen, Lanzen zu Winzermessern. Dieses Bild des Propheten Jesaja ist stark. Es steht für einen Bewusstseinswandel.
- Am Ende der Zeiten – so die Hoffnung des Propheten – werden all die vielen verschiedenen Völker sich zur Wallfahrt zum Berg Gottes, dem Zion in Jerusalem, treffen. Das wird bewirkt durch die Erkenntnis: Gott ist nur einer für alle Völker. Aus der Erkenntnis des Einen Gottes wächst die Erkenntnis, dass alle Menschen seine Kinder sind.
- Diese Hoffnung auf sollten wir nicht aufgeben. Die Wallfahrt des Papstes zu den vielen Völkern ist ein Zeichen des Friedens, aber ebenso die großen gemeinsamen Wallfahrtsorte der Christenheit. Gemeinsames Beten kann Bewusstsein ändern und dazu führen, dass Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden
2. Gottes Geschichte
- Und doch ist da mehr. Nicht nur ein aus der Erfahrung Gottes kommender Bewusstseinswandel, der zu einer neue Praxis führt.
- Als Christ glaube ich, dass Gott aus unseren Schwertern Pflugscharen machen kann. Im Rückblick auf die Geschichte dieser Welt – so vertrauen wir – wird sich zeigen, dass Gottes Macht größer ist als die Macht der Schwerter der Menschen. Das wird sich daran erweisen, dass wir sehen werden, wie Gott selbst aus Unrecht und der Gewalt sein Heil wirken kann. "Im Kreuz ist Heil" ist die christliche Kurzformel für dieses Vertrauen.
- Dass Gott Schuld verwandeln kann, rechtfertigt nicht die Schuld. Dass Gott auf krummen Zeilen seinen Text schreibt, macht die Zeilen nicht gerade. Aber der Glaube vertraut darauf, dass sich darin Gottes Macht erweist.
3. Advent
- Das soll nicht billig vertrösten, wo Menschen Gewalt erleiden. Im Gegenteil macht Gott das Unrecht offenbar. Das soll schon gar nicht billig entschuldigen, wo Menschen Gewalt ausüben. Gott "wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen".
- Wohl aber gibt es Kraft, der Gewalt zu widerstehen und ihr nicht zu verfallen. Wenn ich weiß, dass Gott am Ende der Herr des Lebens ist – dann gibt das Kraft, in dem Vertrauen auf ihn zu leben.
- Im Bild zu bleiben: Der Advent lädt ein im Zurückschauen nach vorne zu schauen. Zurückzuschauen und zu entdecken, wo Gott zum Pflugschar für Neues gemacht hat, wo wir nur das Schwert geschwungen haben. Nach vorne schauen und in der wachen Bereitschaft auf ihn hin zu leben, der kommt als Herr der Geschichte. Das ist Advent.
Fürbitten
P: Allmächtiger Gott! Aus der Erkenntnis des einen Gottes wächst die Hoffnung, dass alle Menschen Deine Kinder sind. In diesem Vertrauen beten wir:
V: Schwerter zu Pflugscharen… Wir bitten Dich für alle Nationen, die im Streit liegen und alle, die meinen, mehr wert zu sein als andere. Lass die Erkenntnis wachsen, dass Du der Eine bist, der alle Menschen verbindet. Öffne Wege des Dialogs und der Versöhnung. – Gott, Herr der Geschichte.
A: Wir bitten dich, erhöre uns
V: Schwerter zu Pflugscharen… Wir bitten dich für die Völker, die unter Krieg, Terror und Unterdrückung leiden; wir bitten dich für alle Menschen, die Gewalt durch andere erleiden. Sei ihre Zuflucht und schenke ihnen Hoffnung. – Gott, Herr der Geschichte.
A: Wir bitten dich, erhöre uns
V: Schwerter zu Pflugscharen… Wir bitten für alle, die in den christlichen Kirchen Verantwortung tragen. Mach sie zu glaubwürdigen Zeugen des Friedens und zu Werkzeugen deiner Gerechtigkeit. – Gott, Herr der Geschichte.
A: Wir bitten dich, erhöre uns
V: Schwerter zu Pflugscharen… Wir bitten für uns: Lass uns zurückschauen und erkennen, wo Du in unserem Leben aus Schwertern Pflugscharen gemacht hast. Gib uns Kraft, nach vorne zu schauen und in wacher Bereitschaft auf Dich zu leben, der kommt als Herr der Geschichte. – Gott, Herr der Geschichte.
A: Wir bitten dich, erhöre uns
P: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
A: Amen.