Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum 5. Sonntag im Lesejahr A 2026 (Matthäus)

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8. Februar 2026 - Mariae Geburt, Traubing

Predigt

1. Die Welt

  • Salz der Erde, Licht der Welt. Kleiner geht's nicht. Wenn es nicht Jesus wäre, der seinen Jüngern sagt, sie, genau sie!, seien "Salz der Erde" und "Licht der Welt", würde man hier leichte Übertreibung vermuten.
  • So aber fühlt sich vielleicht mancher dahin geführt sich daran zu erinnern, dass doch früher, ja früher die Kirche in dieser Welt noch was bedeutet hat. In Traubing, im Freistaat Bayern und damit schon mal in den wichtigsten Teilen der Welt zählten wir Christen noch etwas und zählte die Kirche noch was.
  • So von den die unumstößlichen Erinnerungen heimgesucht, werden manche ergänzen wollen, was früher noch alles besser war, als wir selbst das Sagen hatten, nicht anonyme internationale Strukturen oder so. Salz der Erde, Licht der Welt erinnert an die große, großartige Vergangenheit einer heilen Welt, in der noch zählte, was heute verachtet wird.

2. Verachtet

  • Doch wer waren die, denen Jesus sagt, dass sie für "die Welt" das Licht und für "die Erde" das Salz seien? Schauen wir im Evangelium nach, einen Vers vor dem heutigen Evangelium, dann stellen wir fest, das sind diejenigen, denen Jesus gesagt hat, dass sie "selig" genannt werden, wenn sie auf alle mögliche Weise ausgegrenzt und verfolgt werden.
  • In den Seligpreisungen der Bergpredigt – und der Abschnitt heute gehört unmittelbar dazu! – findet sich kein glorreiches "früher" sondern eher eine schäbige Gegenwart, in der die Jünger es aushalten müssen, dass sie die Armen sind, die heruntergemacht werden, und die "man schmäht und verfolgt und alles Böse über sie redet" und zwar nicht wegen der hausgemachten Skandale, sondern "um Jesu willen".
  • Das Salz kann ausgelaugt sein; das meint das Bild vom salzhaltigen Stein, den man in die Suppe hält solange er Geschmack abgibt, dann aber taugt er nur noch für die Straße und wird dort zerbröselt und zertreten. Das Licht kann auch unter dem Eimer gestellt werden. Da sieht es aber keiner mehr, dem Licht geht die Luft aus und es verlöscht.

3. Zeuge sein

  • Nur solange die Jünger bereit sind, den Gekreuzigten zu verkünden, nicht den Mächtigen, den Barmherzigen, nicht den Einflussreichen, den Friedenstifter nicht den Dealmaker, nur wenn sie Jesus verkündigen und nicht den Triumphator – solange sind Christen "Salz der Erde" und "Licht der Welt".
  • Davon heute Zeuge sein, verträgt sich nicht mit der Nostalgie, früher habe man noch auf die Kirche gehört, früher habe die Kirche habe noch gegolten. Wer mit leuchtenden Augen davon schwärmt, wie toll das früher in der Kirche gewesen sei, lässt den Verdacht aufkommen, dass genau wegen dieser Selbstsicherheit die Christen in die Bedeutungslosigkeit gerutscht sind.
  • Es ist an Gott, uns zu berufen und zu befähigen. An uns ist es, schwach zu sein und zu vertrauen. Als Großeltern zu vertrauen, dass die Kinder und Enkel ihren Weg gehen. Als Gemeinde zu vertrauen, dass Gott seine Wege geht, gerade wenn wir nicht der Vergangenheit nachtrauern und meinen sie konservieren zu können. Das schlichte Eingeständnis: "Wir können es nicht und früher war auch nicht alles besser", ist vielleicht etwas von dem Salz, dass dieser Erde gut tut.

Fürbitten

P: Nicht auf menschlicher Klugheit beruht unser Glaube, sondern auf der Kraft Gottes. Im Vertrauen auf diese Kraft bringen wir unsere Bitten vor Christus, der selbst das Licht der Welt ist.

V: Für die Kirche in aller Welt: dass sie nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt, sondern Christus bezeugt – einfach, glaubwürdig und aus der Kraft des Evangeliums. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für alle, die Verantwortung tragen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft: dass sie nicht auf Macht und Selbstdarstellung setzen, sondern auf Wahrheit, Gerechtigkeit und den Dienst am Menschen. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für die Menschen in der Ukraine und für alle, die unter Krieg, Gewalt und Zerstörung leiden: schenke Frieden, der mehr ist als ein Waffenstillstand, und stärke alle, die sich trotz Angst und Erschöpfung für Versöhnung einsetzen. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für unsere Pfarreiengemeinschaft: dass wir nicht auf perfekte Konzepte vertrauen, sondern auf die Kraft deines Geistes, der uns befähigt, Salz der Erde und Licht für andere zu sein. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für alle, die sich schwach fühlen, die an sich zweifeln oder keinen Glauben mehr an die eigene Kraft haben: lass sie erfahren, dass du gerade im Unscheinbaren und Zerbrechlichen wirkst. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Für unsere Verstorbenen und für alle, um die wir in besonderer Weise trauern: nimm sie auf in dein Licht und stärke unseren Glauben an die Macht deiner Auferstehung. – Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

V: Gott, du hast uns nicht berufen, stark zu erscheinen, sondern dir zu vertrauen. Erhöre unsere Bitten, die wir durch Christus an dich richten, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. A: Amen.