Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum Semesterabschluss 2026 (Donnerstag 4. Woche Jk II)

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5. Februar 2026 - Kapelle im Newman-Haus, München

Predigt

1. Was oder wie?

  • Wenn Sie sich fragen: Was habe ich in diesem Semester gelernt?, dann ist das für die meisten vermutlich eine überfordernde Frage. Zu viel Stoff, zu viele Inhalte. Und doch ist sie vielleicht gar nicht so unmöglich – je nachdem, wo man gerade steht: als Erstsemester oder mitten in einer Abschlussarbeit.
  • Zum Glück gibt es darüber keine Klausur. Ich möchte Sie stattdessen zu einer kleinen Übung einladen: Verbinden Sie die Frage, "was" Sie gelernt haben, mit der Frage, "wie" Sie gelernt haben. Habe ich allein in meinem Zimmer gelernt, in der Bibliothek, in einer Arbeitsgruppe, am Computer oder im Labor? Und hat die Weise, wie ich gelernt habe, etwas mit dem zu tun, was ich gelernt habe?
  • Aus meiner Erfahrung macht das einen großen Unterschied. Die intensivsten Lernzeiten waren für mich die in Arbeitsgruppen. Gerade Fächer, die mit dem sozialen Miteinander zu tun haben, erschließen sich anders, wenn man sie nicht allein studiert. Was habe ich gelernt? Und wie habe ich es gelernt?

2. Wie des Glaubens

  • Damit bin ich beim Evangelium des heutigen Tages. Jesus sammelt die Jünger um sich – und er sendet sie aus. Bemerkenswert ist: Es wird nicht gesagt, "was" sie verkünden sollen. Kein fertiger Inhalt, keine ausformulierte Botschaft. Es wird ausschließlich gesagt, "wie" sie es tun sollen. Und das ist entscheidend. Denn was ich glaube, hat unendlich viel damit zu tun, wie ich glaube.

  • Ich kann die richtigen Inhalte glauben – und doch völlig danebenliegen, wenn die Weise meines Glaubens dem widerspricht. Wenn ich glaube, dass Gott Liebe ist, und dabei Hass im Herzen trage, passt das nicht zusammen. Vielleicht wusste Jesus: Wenn das "Wie" stimmt, wird das "Was" plausibel.

    Er schickt die Jünger zu zweit los. Allein glauben geht nicht. Und er sagt: Nehmt nichts mit – außer einem Wanderstab. Kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld, kein zweites Hemd. Nur Sandalen. Wer so unterwegs ist, ist verletzlich und angewiesen auf andere. Genau das scheint Jesus wichtig zu sein: Macht euch nicht unabhängig, sondern bedürftig.

  • Jesus ist nicht naiv. Er weiß, dass man aufgenommen werden kann – dann soll man bleiben und annehmen, was einem gegeben wird. Und er weiß, dass man abgewiesen werden kann – dann soll man keinen Konflikt suchen, sondern den Staub von den Füßen schütteln und weitergehen. Das ist kein "Was" des Glaubens, sondern ein "Wie". Und aus diesem Wie erschließt sich, was wir im Glaubensbekenntnis sprechen und in der Eucharistie feiern.

3. Geschmack der Dinge

  • Für uns heute heißt das: Es braucht Zeiten, in denen wir das einüben. Bewusst Situationen zu suchen, in denen ich nicht alles unter Kontrolle habe. Gerade für die, die gewohnt sind, selbstbewusst aufzutreten und alles zu regeln. Sich abhängig machen – um Vertrauen zu lernen.
  • Nicht auf Macht zu vertrauen, nicht auf Geld, nicht auf Durchsetzungskraft, sondern auf Gott. Mein Leben ist in Gottes Hand. Ich kann nicht mehr sein als das, was ich bin: Kind Gottes. Aus dieser inneren Freiheit heraus zu leben – das ist Glaube.
  • Vielleicht ist das eine Einladung zum Ende dieses Semesters: Nicht nur darauf zu schauen, was ich gelernt habe, sondern wie ich gelernt habe. Welchen Geschmack die Dinge für mein Leben haben. Wo ich Vertrauen einübe. Wo ich loslasse. Das gilt für alle Fächer und für alle Menschen. Amen.

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